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Round Tables 2018


Ökonomisierung, Feminisierung, De-/Professionalisierung –     
Zur Zukunft ärztlicher und pflegerischer Tätigkeit in der Klinik

Das deutsche Krankenhauswesen befindet sich seit längerem im Umbruch und auch in der fach- und hausärztlichen Versorgung wird nach neuen Lösungen gesucht. Viele Kliniken bewegen sich in einer prekären Konstellation: Sie stehen wirtschaftlich unter Druck und spüren Unsicherheit hinsichtlich ihrer Zukunft. Überdies mehren sich in den Medien, aber auch in der gesundheitswissenschaftlichen Reflexion Zweifel, ob die Kliniken in ihrer strategischen Profilierung wie auch in ihrer Arbeitsorganisation sich tatsächlich primär auf das ausrichten, was im Interesse der Patienten ist: nämlich mit möglichst wenig Aufwand und Eingriffen in den Körper das Bestmögliche zur Gesundheit der Patienten beizutragen.

Auch der Deutsche Ethikrat sah sich veranlasst, 2016 eine Stellungnahme zu der ethischen Problematik für das Krankenhauswesen einzuberufen. In den Kliniken wächst der Druck auf die Ärzteschaft. Sie erhoffen sich Unterstützung und Entlastung durch die Pflege, die  jedoch ebenfalls überlastet ist und als Berufsgruppe eine Professionalisierung anstrebt, die viele gute Pflegekräfte vom Patientenbett wegführt. Auch die Entlastung durch den administrativen Bereich z. B. durch Übernahme der Kodierung und Organisation der poststationären Versorgung alter und schwerkranker Patient*innen bleibt in der Regel aus. Mangelnde Entlastung, zunehmende Bürokratisierung und Arbeitsverdichtung führen dazu, dass die Ärzteschaft immer weniger Zeit für ihre Patienten und ihre genuin ärztlichen Tätigkeiten haben. Während des Studiums werden solche Problemfelder zumeist ausgespart, man konzentriert sich dort im Wesentlichen auf die Vermittlung medizinischen Krankheitswissens und die damit unmittelbar zusammenhängenden rechtlichen und ethischen Belange. Dies hat zur Folge, dass die gut ausgebildeten und hoch motivierten jungen Ärztinnen und Ärzte schon in den ersten Monaten ihrer Weiterbildung desillusioniert und frustriert werden.

In Kooperation zwischen der Universität Augsburg sowie dem Universitätsklinikum Augsburg wurde deshalb ein Round Table Workshop beantragt, der die skizzierte Problematik wissenschaftlich und praxisorientiert zum Thema machte. Neben den Beteiligten aus der Universität und dem Universitätsklinikum Augsburg konnten einschlägig ausgewiesene externe Expert*innen für den Round Table Workshop gewonnen werden. Ziel des Treffens war es, Formen interdisziplinärer Kooperation und eine gemeinsame Fragestellung zum Thema zu erarbeiten. Entsprechend wird die Akquise von Drittmitteln über einen Projektantrag angestrebt.

Verantwortliche Beteiligte: Prof. Dr. phil. Alexandra Manzei (Gesundheitssoziologie / Institut für Sozialwissenschaften), Prof. Dr. theol. Kerstin Schlögl-Flierl (Moraltheologie / Katholisch-Theologische Fakultät), Prof. Dr. med. Dorothea Weckermann (Chefärztin der Urologischen Klinik / Universitätsklinikum Augsburg)

Veranstaltungstermin: 5. und 6. Oktober 2018


Psychisch gesunder Umgang mit digitalen Technologien und Medien

Das Themenfeld ‚digitale Gesundheit‘ beschäftigt die Mitglieder der AG MMI bereits seit längerem. Deshalb wurde die Antragstellung für einen Bayerischen Forschungsverbund in diesem interessanten und zukunftsweisenden Forschungsbereich initiiert und vorbereitet. Diese Vorbereitungen waren nicht nur inhaltlicher Art, sondern dienten auch der Identifikation von idealerweise einzubeziehenden Disziplinen, Institutionen und WissenschaftlerInnen innerhalb Bayerns. Einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zum erfolgreichen Abschluss dieses Prozesses stellte der am 26. Januar 2018 vom ZIG veranstaltete Round Table dar.

Diese Begegnung von vierzehn Personen diente dem Kennenlernen der eingeladenen WissenschaftlerInnen wie dem Austausch von Kompetenzen, Erfahrungen und Forschungsinteressen. Außerdem sollten grundlegende organisatorische, inhaltliche und strukturelle Sachverhalte geklärt werden. Zentrales Element des Round Tables war deshalb die gegenseitige Vorstellung der insgesamt neun einzelnen Forschungsvorhaben (Teilprojekte) durch die jeweils hierfür verantwortlichen WissenschaftlerInnen. Daneben wurden

als zentrale Themen diskutiert.

Am 28. Februar 2018 erfolgte die Einreichung einer Skizze für die Beantragung eines Bayerischen Forschungsverbundes mit neun Teilprojekten und einer Förderdauer von vier Jahren beim Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst unter dem Titel ‚psychisch gesunder Umgang mit digitalen Technologien und Medien‘. Das Ministerium wird die eingereichte Skizze der Bayerischen Akademie der Wissenschaften vorlegen, wo entschieden wird, ob die AntragstellerInnen zur Einreichung eines finalen Vollantrages aufgefordert werden.

Verantwortlicher Beteiligter: Prof. Dr. Henner Gimpel (Wirtschaftsingenieurwesen / Insitut für Materials Resource Management)

Veranstaltungstermin: 26. Januar 2018


Round Tables 2016


Deutsch-Französischer Round Table
Bewegung, Ernährung und psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in benachteiligten Stadtteilen in Frankreich und Deutschland

Im Fokus des Round Tables, der sich aus deutschen und französischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zusammensetzt, steht das Interesse der innerfamiliären Übertragung von Sport- und Bewegungsgewohnheiten bei Familien aus benachteiligten Wohngebieten in Frankreich und Deutschland. Es werden folgende Fragen im interkulturellen Vergleich diskutiert: Welche habituellen Muster und Kompetenzen um die Themen Bewegung, Ernährung und Gesundheit werden an die nachfolgende Generation weitergegeben? Welche Prozesse wirken in diesem Zusammenhang? Der Schwerpunkt liegt dabei auf der intergenerationellen Übertragung von Bewegungs- und Gesundheitsverhalten. Verfolgt wird ein ressourcentheoretischer Ansatz, der auch die psychische Gesundheit mitdenkt. Von besonderem Interesse sind Kinder im Grundschulalter aus benachteiligten ökonomischen Quartieren, da in deprivierten Wohngegenden ein geringes Bewegungsverhalten verzeichnet wird und in diesem Alter Gewohnheiten und Kompetenzen im Gesundheitsverhalten geformt und erworben werden.

Verantwortlicher Beteiligter: Prof. Dr. Hans Peter Brandl-Bredenbeck (Direktor des Instituts für Sportwissenschaft / Lehrstuhl für Sportpädagogik), Christina Rogler (Sportpädagogik)

Veranstaltungstermin: 24. und 25. November 2016


Gesundheitsressource Landschaft

Schöne Naturlandschaften aber auch städtische Grünflächen leisten einen nennenswerten Beitrag zur Erhaltung menschlicher Gesundheit, fördern die Erholung und bewirken gleichzeitig eine schnellere Genesung. Gerade vor dem Hintergrund einer in Europa zunehmenden Umgestaltung natürlicher Landschaften mit stark konkurrierenden Nutzungsansprüchen soll Landschaft als Gesundheitsressource etabliert und ihr therapeutisches Potenzial intensiver erforscht werden. Dazu gehören unter anderem Forschungen zur objektiven Messbarkeit der Schönheit einer Landschaft sowie empirische Studien zur Wirkung schöner Landschaften auf menschliches Befinden. Ziel des Round Table ist der Aufbau eines langfristigen Netzwerks Gesundheitsressource Landschaft sowohl für die Forschung als auch für den Transfer in die Regionen und die Wirtschaft.

Verantwortliche Beteiligte: Prof. Dr. Sabine Timpf (Institut für Geographie), Dr. Joachim Rathmann (Institut für Geographie), Dr. Klaus Geiselhart (Institut für Geographie).

Veranstaltungstermin: 8. April 2016


Round Tables 2015


Allergieprävention durch pro- und präbiotische Ernährung

In westlichen Industrienationen herrscht eine hohe Prävalenz allergischer Erkrankungen wie allergisches Asthma, Heuschnupfen oder atopisches Ekzem. Da die Möglichkeiten einer kausalen Therapie beschränkt sind, möchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Universitären Zentrums für Gesundheitswissenschaften am Universitätsklinikum Augsburg (UNIKA-T) den Einfluss von pro- und präbiotischen Substanzen auf das Immunsystem des Menschen testen, um Allergien präventiv entgegenzuwirken. Gerade die Ernährung bietet eine gute Ansatzmöglichkeit, da diese einen positiven Einfluss auf eine gestörte Mikroflora des Menschen, die mit zahlreichen Erkrankungen wie Allergien einhergeht, ausüben kann. Pro- und Präbiotika, definiert als lebende Mikroorganismen (Probiotika) und nicht-verdaubare Pflanzenbestandteile (Präbiotika), haben einen positiven, gesundheitsfördernden Effekt auf den Menschen. Um in diesem Feld innovative Forschungsideen zu entwickeln, treffen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Augsburg und den Niederlanden zum interdisziplinären Austausch sowie zur Entwicklung eines gemeinsamen Forschungsvorhabens.

Verantwortliche Beteiligte: Prof. Dr. Jens O. Brunner (Lehrstuhl für Health Care Operations), Prof. Dr. Claudia Traidl-Hoffmann (Institut für Umweltmedizin, IEM), Dr. Julia Hiller (Institut für Umweltmedizin, IEM)

Veranstaltungstermin: 11. und 12. November 2015


SELBST- oder bestimmt? Illusionen und Realitäten des Medizinrechts

Die Selbstbestimmung des Patienten ist sowohl im Selbstverständnis der Medizin als auch in der (medizin-)rechtswissenschaftlichen Dogmatik als quasi „unumstößliches Axiom“ unbestritten. Vor allem die Einwilligung der Patientin bzw. des Patienten nach umfassender Aufklärung – sog. informed consent – zieht sich als Ausprägung der Selbstbestimmung wie ein roter Faden durch alle Bereiche des Medizinrechts und der medizinischen Praxis. Sie ist nicht nur Voraussetzung für jede Art von Therapie, sondern nach herkömmlicher Dogmatik auch Rechtfertigung für den Eingriff, der nach herrschender Ansicht strafrechtlich eine tatbestandliche Körperverletzung ist (§223 Strafgesetzbuch). Doch so akzeptiert die Selbstbestimmung in rechtlicher Sicht als Grundpfeiler des Medizinrechts auch ist, umso weniger lassen sich die Probleme übersehen, die es noch zu lösen gilt, wie bspw.: Wem steht bei Entscheidungen, bei denen mehrere Menschen betroffen sind, das freie Selbstbestimmungsrecht zu? Brauchen wir neue Konzepte, um der Selbstbestimmung von Kindern und Jugendlichen besser Rechnung tragen zu können? Müssen wir angesichts psychischer Erkrankungen, vor allem von Demenz, nach neuen Möglichkeiten der Selbstbestimmung fragen? Kurzum: Selbstbestimmung ist immer auch ein Einfallstor für Fremdbestimmung – sei es psychologisch vermittelt, in ökonomischem Kontext oder in einem fremdbestimmungsfördernden Organisationsumfeld. Angesichts dieser allgegenwärtigen Unsicherheiten im Grundsätzlichen sowie im Speziellen ist es notwendig, die scheinbare Sicherheit unseres aktuellen rechtsdogmatischen Verständnisses von Selbstbestimmung im Spannungsverhältnis von Theorie und Praxis nicht nur differenziert, sondern vor allem auch unorthodox zu betrachten und dieses Grundprinzip rechtlich neu zu konstituieren. Ziel des Round Tables ist es, hierzu gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen eine Forschungsidee zu entwickeln, die diese Problematik im Kern berücksichtigt.

Verantwortliche Beteiligte: Prof. Dr. Henning Rosenau (Lehrstuhl für Deutsches, Europäisches und Internationales Straf- und Strafprozessrecht, Medizin- und Biorecht), Prof. Dr. Ulrich M. Gassner (Professur für Öffentliches Recht), Prof. Dr. Josef Franz Lindner (Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Medizinrecht und Rechtsphilosophie) sowie Wiss. Mit. Ass. iur. Carina Dorneck und Wiss. Mit. Dipl.-iur. univ. Kim Phillip Linoh (Nachwuchswissenschaftler am IBGM)

Veranstaltungstermin: 23. und 24. Oktober 2015

 

Informationsbedingungen von Mobile Health

Mobile Health (mHealth) umfasst alle medizinischen Verfahren und Praktiken der öffentlichen Gesundheitsfürsorge, die durch Mobilgeräte wie Mobiltelefone, Patientenüberwachungsgeräte, persönliche digitale Assistenten und andere drahtlos angebundene Geräte unterstützt werden. Dazu gehören auch Anwendungen wie Health-Apps, die mit medizinischen Geräten oder mit Sensoren (z.B. in Armbändern oder Uhren) vernetzt werden können, wie auch persönliche Hinweis- und Begleitsysteme, via Smartphone übermittelte Gesundheitsinformationen und Erinnerungen an die Medikamenteneinnahme sowie drahtlos bereitgestellte Telemedizindienste. Mobile-Health-Dienste werden das Gesundheitswesen neu ausrichten, da sie vier weitgehend konsentierte Nutzendimensionen zu realisieren versprechen: Effizienzvorteile, Therapieoptimierung, Krankheitsprävention sowie Patientenmündigkeit. Andererseits sind mit diesen vielversprechenden Entwicklungen auch Problemstellungen verbunden. Diese betreffen den Datenschutz und die Datensicherheit bei Health-Apps, den regulatorischen Status von Health-Apps, die Massendatenverarbeitung / BigData sowie die Interoperabilität von Daten. Diese genannten Problemfelder können nicht entlang einer einzelnen Fachdisziplin gelöst werden, vielmehr müssen adäquate Lösungsansätze auf breiter interdisziplinärer Basis gesucht werden, insbesondere der Rechtswissenschaft, der Informationswissenschaft sowie der Informatik.

Verantwortlicher Beteiligter: Prof. Dr. Ulrich M. Gassner (Professur für Öffentliches Recht)

Veranstaltungstermin: 28. und 29. Juni 2015