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Promotion Vergesellschaftung des Sterbens - Soziologie der organisierten Begleitung Sterbender im ambulanten Kontext

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Anna D. Bauer, M.A.

  • Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Soziologie mit Berücksichtigung der Sozialkunde
Beginn November 2018
Lehrstuhl Professur für Soziologie unter Berücksichtigung der Sozialkunde
Betreuer

Prof. Dr. Armin Nassehi

Prof. Dr. Werner Schneider

Das eigene Zuhause war und ist bis heute der relevanteste Sterbeort. Ein gutes Sterben im anonymen Krankenhausbetrieb scheint unvorstellbar und nährt das bürgerliche Ideal eines Sterbens zu Hause im Kreis der Familie. Trotz der Bemühungen der Hospiz- und Palliativbewegung um alternative Sterbeorte können weder stationäre Hospize noch Palliativstationen ein Zuhause sein, und dieses ebenso wenig als Wunschsterbeort ablösen. In dem hier vorgestellten Promotionsvorhaben soll untersucht werden, wie durch die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) das Sterben zu Hause in Organisationsroutinen überführt und damit vergesellschaftet wird. Es geht dabei um die soziologische Fragestellung nach sozialer Ordnungsbildung, also danach, wie aus einer Perspektive palliativmedizinischer Praxis Kontingenz, Unsicherheit und Risiken bearbeitet werden. Anhand der Beschreibungen von Mitarbeitenden der SAPV soll mittels eines systemtheoretisch-hermeneutischen Verfahrens die Kommunikationslogik auf den Ebenen der Interaktion, Organisation und Gesellschaft rekonstruiert werden. Interessant scheint dann, wie sich eine palliativmedizinische Praxis zu Hause unterschiedlichen Zugzwängen fügt, bspw. aus dem auf lange Episoden angelegten Interaktionskontakt mit Patienten sowie An- und Zugehörigen, aus der Organisation beim Treffen von Entscheidungen im multiprofessionellen Team unter den Augen anderer spezialisierter Perspektiven und aus einem gesellschaftlichen Erwartungshorizont, der sich für Palliativmediziner leicht als Störfaktor herausstellen kann. Mit diesem Promotionsvorhaben soll eine soziologische Theorie der ambulanten Palliativmedizin entwickelt werden und damit bestehende medizin- und professionssoziologische Ansätze ergänzt werden.